Unser Weg zum Wunschkind // #4 IVF-Routine

29 . Juli 2018

Meinen nächsten Termin bei Prof. Strowitzki in der Frauenklinik in Heidelberg hatte ich schon kurze Zeit nach unserer 1. missglückten IVF. Ich war ein wenig ratlos, wie es nun weiter gehen sollte. Was war der Grund, wieso ich nicht schwanger geworden bin? Hat sich der winzige Embryo nicht weiterentwickelt oder hat er sich nicht eingenistet?? Fragen, die mir auch der Professor nicht beantworten konnte. 🙁

Wir entschieden uns, erstmal eine Pause einzulegen. Um sicher zu gehen, dass nicht wieder neue Endometrioseherde in mir gewachsen sind, die eine Einnistung  verhindern würden, begann ich mit einer neuen Hormon-Therapie, vor der ich immer Angst hatte und die ich bisher strikt abgelehnt hatte. Ich sollte durch monatliche Hormonspritzen (GNRH Analoga) in die künstlichen Wechseljahre versetzt werden. Für mich eine gruselige Vorstellung und die Nebenwirkungen kamen, wie erwartet, ziemlich schnell. Ich hatte üble Hitzewallungen, war noch launischer als sonst, hatte schlechte Haut und Wassereinlagerungen. 🙁 Nach Rücksprache mit dem Professor, bekam ich ein weiteres Hormonpräparat (Progynova), das ich jeden Tag wie eine Pille nehmen musste. Ganz schön viele Hormone, die ich meinem Körper da zuführte, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich überhaupt keine Hormone nehmen wollte. Aber durch die künstlichen Wechseljahre wird die Endometriose komplett ausgetrocknet und im besten Fall bleibt sie danach auch weg. Aber auf diese Möglichkeit wollte ich mich nicht verlassen.

Und dann ging sie los. Die beste Zeit in meinem Leben!

Sommer
Sommer 2015

 

Wer hätte gedacht, dass ich die Wechseljahre lieben würde? Nach nur wenigen Tagen fühlte ich mich so wohl, wie noch nie. Ich war fit wie ein Turnschuh, ich machte Sport, genoss den Sommer und strahlte richtig von Innen. Ich begann mit dem Bloggen und hatte viele schöne Modeljobs. Und ich vergass sogar fast unseren Kinderwunsch. Bis meine Schwester plötzlich mit einer freudigen Nachricht um die Ecke kam.

Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich, wie sich richtiger  Neid anfühlt!

Meine kleine Schwester war schwanger und ich fiel erstmal in ein tiefes Loch. Ich verstand die Welt nicht mehr und konnte nicht begreifen, wieso mir dieser Wunsch verwehrt blieb und brauchte ein paar Tage, bis ich die Neuigkeiten verdaut hatte und mich aufrichtig für meine Schwester freuen konnte. Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich so reagiert habe, aber ich denke, dass sie es damals verstanden hat und heute bin ich unendlich froh und dankbar, dass es genauso gekommen ist. <3

Marley und Paula
Ein Herz und eine Seele

 

Auf ein Neues! Die 2. IVF!

Weißenburg, Frankreich
Unsere Apotheke in Frankreich

Im September war es dann wieder soweit. Wir entschieden uns für unsere 2. IVF. Wir verbanden den Versuch mit einem Besuch in Weißenburg in Frankreich, wo wir unsere Medikamente kauften und uns noch einen schönen Tag machten. 🙂 Die Stimulation mit den Hormonspritzen (Menogon) ging diesmal nicht so gut voran und ich musste 2 Tage länger stimulieren, was für uns bedeutete, dass wir mehrere 100EUR mehr aufbringen mussten. 🙁

An dem Tag, an dem ich den Eisprung auslösen musste, musste ich morgens um 7Uhr in der Klinik meine Hormone über eine Blutabnahme kontrollieren lassen. Danach hatte ich ein cooles Shooting für Rotkäppchen Fruchtsecco in Frankfurt und war abends noch mit meinen Mädels zum Sushi essen verabredet. Ein stressiger Tag, aber es hatte alles wunderbar geklappt. Meine Ovitrelle-Spritze zum Eisprung auslösen hatte ich abends in einer Kühlbox dabei und wurde mir um punkt 21:00Uhr von meiner Freundin auf der Autobahn auf dem Rücksicht verpasst. 😉

Eisprung auslösen
Wenn man sich nicht traut, sich selbst zu spritzen.

 

Bei der Follikelpunktion konnten leider nur 3 Eizellen gewonnen werden, aber eine davon entwickelte sich bis zum Blastozysten Stadium und wurde mir an Tag 5 eingesetzt. Um meinen Körper besser auf das Einnisten vorzubereiten, sollte ich mir nach der Eizellentnahme (Follikelpunktion) noch drei weitere Hormonspritzen geben, was wieder mit höheren Kosten verbunden war. 🙁 Wir setzten große Hoffnung in den kleinen Blastozysten und warteten gespannt auf den nächsten Schwangerschaftstest. Aber wir warteten umsonst. Meine Blutung setzte wieder pünktlich ein und wir waren 3150EUR los. 🙁

Meine Lust war vorbei. Ich wollte nicht mehr. Ich hatte die Idee, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, meiner kleinen Nichte gute Paten zu sein. Mittlerweile freute ich mich sehr auf Paula und überlegte auch schon, wie ich meiner Schwester mit einer Babyparty eine Freude machen könnte und plante schon ein paar Kleinigkeiten, für ihre bevorstehende Hochzeit. 😀 Meine Schwester hatte mich nun eindeutig überholt. *lach*

Aber Christian wollte unseren Traum vom eigenen Kind nicht aufgeben. Er bestand auf einen weiteren Versuch und ich war dazu bereit, die Meinung von Prof. Strowitzki einzuholen. Ich wollte mich nach seiner Meinung richten.

Gleich nochmal, war sein sofortiger Vorschlag!

Ich vertraute ihm. Wir mussten nur einen Zyklus warten, um wieder los zu legen und ließen uns direkt neue Medikamente aus Frankreich schicken. Ich war ziemlich entspannt, ich war nämlich sicher, dass es wieder nicht klappen würde und machte mir von vornherein keine großen Hoffnungen. Der Ablauf war der gleiche wie bisher und ich hatte fast schon Routine darin.

Den Eisprung musste ich am 17. November 2015 auslösen. Ich hatte an diesem Tag ein langes Shooting und war danach wieder mit meinen Mädels zum Sushi essen verabredet. Die Planung war allerdings rein zufällig. 😉 Dieses Mal musste ich den Eisprung erst um 21:30Uhr auslösen und war um diese Uhrzeit schon zu Hause. Und dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und setzte mir die Spritze, die hoffentlich die allerletzte sein sollte, selbst. 😀 Den Einstich merkte ich kaum und die spitze Nadel glitt wie durch Butter in meinen Bauchspeck. 😛 Wieso hatte ich das vorher nie selbst gemacht? 😀 Vielleicht war das ein gutes Zeichen. 😉

Follikel-Punktion
Am Tag der Follikel-Punktion

Christian hatte am Tag der Follikelpunktion den ganzen Tag Urlaub genommen. Dieses Mal wollte er zu 100% dabei sein. Und es hatte sich gelohnt, es konnten 5 schöne Eizellen gewonnen werden. 😀 Am nächsten Tag bekamen wir den Anruf, dass sich von den 5 Eizellen 2 Stück befruchten ließen und diese nach Möglichkeit 5 Tage weiter kultiviert werden. Im besten Fall sollten sie am 5. Tag das Blastozysten-Stadium erreicht haben. Und so kam es auch. 🙂 Beide Embryos hatten sich prächtig entwickelt und konnten mir an Tag 5, am 24. November 2015 eingesetzt werden. 😀 Für uns stand von Anfang an fest, dass wir zwei Embryos einsetzen lassen, wenn zwei vorhanden sind. Die Chance für eine Einnistung ist dadurch viel höher, das „Risiko“ für Zwillinge allerdings auch. 😉 Auch hier wurde ich wieder von Christian begleitet. Wir hatten die Möglichkeiten, unsere beiden „Babys“, wie wir sie da schon nannten, auf einem Bildschirm zu sehen und haben natürlich auch ein Foto davon gemacht. <3

Blastozysten IVF
Unsere zwei Blastozysten

 

Einnistungsschmerzen? Gibts das überhaupt?

3 Tage nach dem Embryotransfer musste ich mit starken Unterleibsschmerzen ins Krankenhaus. Das Gefühl war neu und ich war sicher, dass ich schwanger bin. Ich hatte direkt ein gutes Gefühl, ich sagte von Anfang an, dass ich spüre, dass es geklappt hat. Alle verdrehten die Augen, weil sie meinten, ich würde mich wieder zu sehr reinsteigern. Im Krankenhaus konnte nicht festgestellt werden, wieso ich diese Schmerzen hatte, wahrscheinlich kam es noch von der Follikelpunktion. Oder vielleicht war es auch der mysteriöse Einnistungsschmerz, den es angeblich geben soll!?! Wer weiß. 😉

Die Neugierde siegt

Am 1. Dezember hatte ich einen Dreh für Villeroy und Boch und mich plagten unerträgliche Schmerzen. Es war nur schwer für mich, an diesem Tag in die Kamera zu lächeln.  Aber ich war trotzdem fröhlich. Ich konnte mir den Schmerz nur wegen einer Schwangerschaft erklären und so machte ich am nächsten Tag, das war Tag 13 nach meinem Eisprung, heimlich einen Test zu Hause.

Der Test war negativ. Total enttäuscht legte ich ihn auf die Seite. 🙁 Ein paar Minuten später wagte ich noch einen Blick auf den Test, um zu schauen, ob vielleicht doch noch eine kleine Linie sichtbar geworden ist, so, wie ich es bei unzähligen Tests zuvor auch gemacht habe. Und da war sie, die hellrosa Linie, die Linie, die ich mir so sehr herbei gesehnt habe, die Linie, die mir sagte, dass sich mein Leben von nun an ändern wird. 😀 Ich war überglücklich und konnte mir ein ein paar Freudentränen nicht verkneifen. 🙂 Das Geheimnis behielt ich erstmal noch für mich. Schon für den nächsten Tag war nämlich der offizielle Schwangerschaftstest im Krankenhaus angesetzt und diesmal musste ich ihn nicht absagen.

Ich nahm den Termin wahr und erzählte der Krankenschwester von meinem positiven Test. Sie freute sich sehr und hatte nur aufbauende Worte für mich. 🙂 Trotzdem hing noch ein Gefühl der Ungewissheit in mir. So recht konnte ich es nämlich nicht glauben. Mein Herz schlug wie wild, als ich um 13Uhr in der Klinik anrufen konnte, um das Ergebnis meines Bluttests zu erfahren.

Schwangerschaftstest
Endlich positiv

 

Die Dame am Telefon suchte meine Daten und gratulierte mir zu meiner Schwangerschaft. 😀 Ich war total aus dem Häuschen. Ich war nun schwanger, rein rechnerisch sprach man jetzt schon von SSW 4+0 und ich hatte einen HCG-Wert von 400!

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was dieser Wert für uns bedeutete und dass unser ganz persönliches Drama erst jetzt begann.

Fortsetzung folgt!



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