Marley als Kindermodel?

12 . November 2018

Lustigerweise wurde ich schon oft von Eltern darauf angesprochen, bei welchen Agenturen man sich bewerben könnte, damit der Nachwuchs zum Model werden kann.

Natürlich ist für Eltern das eigene Kind immer das Schönste, was auch gut so ist. Aber auch wenn ein Kind süß, hübsch und niedlich ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch zum Modeln geeignet ist.

Ich war Kindermodels immer sehr skeptisch gegenüber. Ich hatte viele Shootings, bei denen ich die Mama von fremden Kindern spielen musste. Säuglinge mussten sich auf meinen Bauch legen, ich musste mit meiner Spieltochter im Bett kuscheln, ich musste mit vielen Kindern für ein Foto Happy Family spielen. Manchmal ist auch ein Model-Papa dabei, um das klassische Modell einer Familie darzustellen. Was in der heutigen Zeit noch dazu sehr überholt ist, von der Werbung aber immer noch ausschließlich so gezeigt wird. Oder kennt ihr eine Werbung mit zwei Mamas oder zwei Papas?? Vielleicht wird sich das in den nächsten Jahren ja noch ein wenig ändern. 🙂

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Shooting für Iberostar
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Shooting für Hammer Heimtex

 

Schon in dieser Zeit, als ich noch gar nicht an eigenen Nachwuchs dachte, wusste ich schon, dass ich das für mein Kind nicht möchte. Oft ist es nämlich so, dass die Kinder selbst überhaupt keine Lust darauf haben und von ihren Eltern dazu überredet werden müssen. Manchmal werden sie auch mit Süßigkeiten und Spielzeug erpresst, um ein paar Minuten für ein Foto still zu sitzen und um „abzuliefern“. Aber bitte welches kleine Kind versteht das??

Deswegen war es mir als Model-Mama immer ganz besonders wichtig, dem Kind ein gutes Gefühl zu geben. Mit ihm zu spielen, mich mit ihm zu unterhalten und einfach locker und spielerisch durch das Shooting zu führen. Aber was, wenn die Model-Mama gar nicht mit Kindern kann und nicht weiß, wie sie das Kind aufheitern kann?? Für mich keine gute Vorstellung, vorallem nicht, wenn es da um mein eigenes Kind geht.

Als ich dann Mama wurde, ich mein Kind tatsächlich als das Allerschönste empfand, hatte ich zuerst überhaupt keinen Gedanken daran, dass Marley modeln könnte. Selbst auf Instagram und Facebook zeigt ich am Anfang nur Fotos, auf denen man ihn nicht richtig erkennen konnte. Unsere FamilienShootings, die wir direkt nach der Geburt in der Klinik und nach 10 Tagen zu Hause mit unserer liebsten Fotografin Aline Lange machten, hatten ja noch nichts mit Modeln zu tun. Sie dienen als schöne Erinnerung und Marley hatte den Großteil davon sowieso verschlafen. 😉

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Foto: Aline Lange

 

Als Marley ca. 8 Monate alt war, wurde eine Fotografin über Instagram auf uns aufmerksam und bot uns ein Fotoshooting bei uns zu Hause an. Natürlich sagte ich zu und wir machten einen Termin mit Johanna Lohr aus. Das Shooting verlief super. Marley hatte richtig gute Laune und einen riesen Spaß. Er war natürlich noch zu klein, um zu begreifen, was da geschah, aber er zeigte sich von seiner allerbesten Seite und es entstanden super süße Bilder. Johanna empfahl uns, Marley bei einer Agentur anzumelden.

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Foto: Johanna Lohr
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Foto: Johanna Lohr

 

Beflügelt von den vielen tollen Bildern, schickte ich ein paar Bewerbungen ab und wir wurden sogar von einer Agentur aufgenommen. 🙂 Schnell folgten ein paar Anfragen, u.a. für den Kunden Hipp. Der Kunde war auf der Suche nach einer echten Mama mit ihrem Baby. Das Baby sollte der Hauptdarsteller sein und sollte albern mit seinem Brei spielen und wild darin herum matschen. Da es bei diesem Job um sehr viel Geld gegangen wäre, sagte ich zu. Bevor sich der Kunde allerdings für ein Baby und dessen Mutter entschied, wollte er tagesaktuelle Fotos von dem Kleinen sehen und noch dazu ein Video. In dem Castingvideo sollte das Kind zeigen, ob es überhaupt so schön im Brei matschen kann, wie sich das die Werbeleute für ihren Werbespot vorstellten. Als ich Marley aufforderte, wild  mit seinem Brei zu spielen, sah er mich ganz ungläubig an und legte seine Hand ganz vorsichtig in seine Breischüssel. Braves Kind. 😉 Natürlich hatten wir ihm beigebracht, genau das nicht zu tun und da fingen meine Bedenken an. Könnte mein Kind wirklich „abliefern“? Was würde der Kunde tun, wenn mein Kind keine Breischlacht veranstalten würde oder wenn er am Set weinen würde. Die Vorstellung gruselte mich, aber ich sendete unser Video mit dem Gedanken ab, dass es eh nicht passen würde. 😉 Ein paar Tage später kam die Absage mit der Begründung, dass Marley zu tiefe Augenringe hatte und zu strubbelige war…

In den Monaten danach kam noch die ein oder andere Anfrage, bei denen wir ebenfalls abgelehnt wurden. Marley sei zu dünn, die Haare waren zu lang, sein Grinsen nicht so, wie im Bilderbuch…  Ich bin es als Model gewöhnt, solche Ablehnung zu bekomme, aber wenn sie mein Kind betreffen, gibt das schon einen kleinen Stich ins Herz. Jetzt frage ich euch, könntet ihr mit dieser Kritik umgehen?? Wollt ihr hören, dass euer wunderschönes Kind nicht perfekt genug für die Werbung ist? Deswegen glaube ich, dass es nicht gesund ist, sein Kind als Model anzubieten, wenn man selbst nicht in dieser harten Branche arbeitet. Über solchen Aussagen zu stehen, braucht jahrelange Abhärtung.

Nach diesen Erlebnissen legte ich das alles erstmal auf Eis und dachte lange nicht mehr darüber nach.

Als Marley 2 Jahre alt war und er seine ersten Sommerferien hatte, fragte meine Agentur SMS-Models an, ob ich Marley für ein Shooting für einen meiner Stammkunden zur Verfügung stellen würde. Ich zögerte etwas, sagte aber zu. Allerdings nur, weil ich Fotografen, das Studio und den Kunden schon lange kenne und wusste, dass es ein entspanntes Shooting geben würde. Es wurde auch von vornherein klargestellt, dass ich keine Garantie dafür gebe, dass Marley mitmachen würde.

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Marleys Koffer

Das Shooting wurde zeitlich so geplant, dass Marley im Auto seinen Mittagsschlaf machen konnte und ausgeschlafen beim Shooting ankommt. Das klappte wunderbar. 🙂 Wie die Großen auch, musste Marley einen Koffer voller Klamotten mitbringen. Marley stürzte sich sofort auf das weihnachtliche Set und hatte richtig Spaß beim Shooting. Aber nur in der ersten Runde. Als wir dann noch ein paar weitere Fotos machen sollten und Marley keine Lust mehr hatte, griff ich zur Süßigkeiten-Taktik. Ich fühlte mich nicht wohl dabei, hatte aber in meiner 2 jährigen Mama-zeit gelernt, dass eine kleine Erpressung mit Süßigkeiten nicht so schlimm ist, wie es für mich immer aussah. 😉 Marley hat gute „Arbeit“ geleistet und hatte seinen ersten Fotojob mit Bravur gemeistert und er war mächtig stolz drauf. 😉 Hier ist dann wieder Vorsicht geboten, dass das Kind deswegen keinen Höhenflug bekommt. 😉

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Weihnachtliches Foto-Set
making of fotoshooting
Marley verliebte sich sofort in den kuscheligen Tausendfüßler

 

Das Ergebnis des Shootings konnte man den in der letzten Woche im Prospekt von Globus entdecken. 🙂

globus prospekt
Marley mit seiner Model-Kollegin Mika

 

Er war bei diesem Shooting noch sehr klein und hat noch nicht alles verstanden, aber ich bin jetzt nicht mehr so sehr davon abgeneigt, in Zukunft Fotojobs für Marley anzunehmen. So lange es ihm Spaß macht und er damit sein Sparbuch etwas füllen kann, finde ich das völlig in Ordnung. Ich werde ihn allerdings nicht bei speziellen Modelagenturen anmelden. Wenn eine Anfrage über meine eigenen Agenturen und Kunden kommt, fühle ich mich dabei wohler. 🙂

Und was heißt das jetzt für euch?

Ihr könnt es mit eurem Nachwuchs versuchen, wenn ihr mit dieser Kritik umgehen könnt, wenn ihr im besten Fall in einer großen Stadt wohnt und ihr keine großen Anreisewege auf euch nehmen müsst. Und wenn eure Kleinen vorallem Spaß vor der Kamera haben. Ob ihr dann am Ende einen Job annehmt oder nicht, könnt ihr dann immer noch individuell entscheiden.

Hier liste ich euch ein paar Agenturen auf, bei denen ihr euch bewerben könnt und bei denen ihr in guten Händen seid.

SMS Models, Wiesbaden; Fashion Art Kids, Frankfurt; S-Models, Stuttgart; Lila-Laune-Kids, Oberhausen; Castingfamily, München; Brüderchen & Schwesterchen, Düsseldorf

Um noch eine weitere Meinung zu Kindermodels einzuholen, habe ich meine liebe Freundin und Kollegin Janina gebeten, ein kleines Statement abzugeben und über ihre Erfahrungen zu berichten.

„Dem Thema „Kinder und Fotoshooting“ stand ich, als ich noch keine Mutter war, eher skeptisch gegenüber.

Ich hatte einmal ein Shooting bei dem ich ein Neugeborenes (4 Wochen alt) auf dem Arm tagen sollte. damals habe ich mich schon gefragt, ob ich das als Mutter machen würde. Und da kann ich ganz klar sagen – nein. Jeder sollte das natürlich selbst entscheiden, aber ich finde das einfach viel zu früh.

Ich bin jetzt selbst seit 19 Monaten Mutter einer kleinen Tochter (Ella Rosa) und ich habe sie von Anfang an zu Fotoshootings mitgenommen (sofern dies von Kundenseite aus möglich war). Irgendwann kam dann auch mal die Frage auf, ob sie nicht mit auf das Foto möchte. Da war sie ca. 1 Jahr alt. Wir haben es dann einfach ausprobiert und es hat super geklappt. Ich empfinde das auch nicht als verwerflich oder nicht gut für das Kind. Zumal ich immer dabei bin und die Aufnahmen meist nicht länger als 15 – 30 Minuten dauern. Sobald ich merken würde, dass sie keine Lust mehr hat, weint, quengelt etc., würde ich sofort aufhören. Das Einzige was ich nicht machen würde, wäre Ella einer anderen Frau oder Mann geben, damit sie mit ihr für das Foto „Happy Family“ spielen.

Sofern es aber mit mir zusammen ist finde ich das völlig in Ordnung.“

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Janina und Ella beim Fotoshootings

 

Ihr seht, das muss jeder selbst entscheiden, wie er es mit sich selbst und seinem Kind vereinbaren kann. Als kleines Baby hätte ich Marley auch keiner fremden Frau anvertraut, aber mittlerweile ist Marley ein sehr aufgeschlossenes Kind und da wäre es kein Problem für uns, dass er mit einer anderen Person eine Familie darstellt. So lange ich mit am Set bin und im Notfall eingreifen kann. 🙂

 

 

 



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