Marley // Jede Sekunde genießen // 4 Monate

24 . November 2016

Jede Sekunde zu genießen, ist das, was uns ein Baby lehrt.

Wow, nie im Leben hätte ich gedacht, dass die Zeit so schnell vergehen kann. Das war doch gerade erst, dass ich noch schwanger war und jetzt ist Marley schon vier Monate alt. Er lacht wie ein Weltmeister, will am Liebsten immer bei den Großen dabei sitzen und macht immer die Beine steif, damit er stehen kann. Lange dauert es nicht mehr, bis er laufen kann und die Gegend unsicher macht. Ganz besonders mag er es auch, wenn man ihn fliegen lässt oder mit ihm baden geht. Es ist so wunderbar, mit anzusehen, wie sich so ein kleines Menschlein von Tag zu Tag weiter entwickelt. Marley ist mittlerweile 64cm groß und wiegt 6400g. Wir haben mit der winzigen Kleidergröße 42 angefangen und sind jetzt schon bei 62/68. Ich habs ja nicht glauben wollen, als ich auf Flohmärkten und im Internet alles gekauft habe, was ich süß fand. Ich dachte mir, das wird man schon brauchen. 😉 Aber jetzt haben wir schon eine riesen Kiste aussortiert, weil die Sachen einfach nicht mehr passen. Ein Jammer, wenn man bedenkt, wie süß er z.B. in dem Schlafanzug mit den Bärchen aussah. Aber das wird erstmal alles aufgehoben, wer weiß, ob man es nicht nochmal braucht. 😛

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Die Zeit vergeht so schnell und er entwickelt sich so schnell weiter, dass man jetzt schon vieles vergisst. Mir wurde oft der Ratschlag gegeben, so viel wie möglich zu filmen und Fotos zu machen. Aber man will sein Kind ja nicht nur durch die Kamera sehen, bzw. durch das Smartphone. Ich fotografiere und filme Marley wirklich viel, aber trotzdem fehlen Momente, von denen ich dachte, ich könnte sie noch an einem anderen Tag festhalten, aber schwupp die wupp, hat er diese süßen Quieck-Geräusche nicht mehr gemacht. Oder die wilden, zackigen Zappelbewegungen mit seinen Armen, bei denen er sich selbst ins Auge geboxt hat. 😉

Weil so vieles passiert und weil man sich nicht alles merken kann, ist es umso wichtiger, dass man jeden Augenblick genießt und ganz bewusst wahr nimmt. Man muss entscheiden, welche Dinge im Leben wirklich wichtig und welche unwichtig sind und muss seine Prioritäten neu ordnen. Gerade heute hatte ich ein Gespräch mit einem Freund und wir haben festgestellt, dass viele Menschen die Eigenschaft verloren haben, im Hier und Jetzt zu leben und mit diesen wunderbaren Augenblicken glücklich zu sein. So schade, denn die Kinder spüren das, wenn wir abgehetzt sind und uns nicht auf sie konzentrieren können, weil so viel anderes wichtiger ist. Wer kennt nicht die Geschichte vom Fischer und dem Bankler!?! (siehe weiter unten) Da steckt so viel Wahres drin!

Marley ist für uns und ganz besonders für mich ein riesen Geschenk, das ich mir mehr als alles andere auf der Welt gewünscht habe. Und genau deswegen will ich für ihn alles geben. Und das ist im Moment vorallem meine Zeit und meine Liebe. Alles andere ist zweitrangig. <3

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Der Fischer und der Banker

Ein Investmentbanker stand in einem kleinen mexikanischen Fischerdorf am Pier und beobachtete, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer an Bord anlegte. Er hatte einige riesige Thunfische geladen. Der Banker gratulierte dem Fischer zu seinem prächtigen Fang und fragte, wie lange er dazu gebraucht hätte.

Der Fischer antwortete: „Ein paar Stunden nur. Nicht lange.“

Daraufhin fragte der Banker, warum er denn nicht länger auf See geblieben sei, um noch mehr zu fangen.

Der Fischer sagte, die Fische, reichten ihm, um seine Familie die nächsten Tage zu versorgen.

Der Banker wiederum fragte: „Aber was tun Sie denn mit dem Rest des Tages?“

Der Fischer erklärte: „Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen; spiele mit meinen Kindern, mache mit meiner Frau nach dem Mittagessen eine Siesta, gehe ins Dorf spazieren, trinke dort ein Gläschen Wein und spiele Gitarre mit meinen Freunden. Sie sehen, ich habe ein ausgefülltes Leben.“

Der Banker erklärte: „Ich bin ein Harvard-Absolvent und könnte ihnen ein bisschen helfen. Sie sollten mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres Boot kaufen. Mit dem Erlös hiervon wiederum könnten sie mehrere Boote kaufen, bis Sie eine ganze Flotte haben. Statt den Fang an einen Händler zu verkaufen, könnten Sie direkt an eine Fischfabrik verkaufen und schließlich eine eigene Fischverarbeitungsfabrik eröffnen. Sie könnten Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren. Sie könnten dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko City oder Los Angeles und vielleicht sogar New York City umziehen, von wo aus Sie dann Ihr florierendes Unternehmen leiten.“

Der Fischer fragte: „Und wie lange wird dies alles dauern?“

Der Banker antwortete: „So etwa 15 bis 20 Jahre.“

Der Fischer fragte: „Und was dann?“

Der Banker lachte und sagte: „Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, könnten sie mit ihrem Unternehmen an die Börse gehen; ihre Unternehmensteile verkaufen und sehr reich werden. Sie könnten Millionen verdienen.“

Der Fischer sagte: „Millionen. Und dann?“

Der Banker erwiderte: „Dann könnten Sie aufhören zu arbeiten. Sie könnten in ein kleines Fischerdorf an der Küste ziehen, morgens lange ausschlafen, ein bisschen fischen gehen, mit ihren Kindern spielen, eine Siesta mit ihrer Frau machen, in das Dorf spazieren, am Abend ein Gläschen Wein genießen und mit ihren Freunden Gitarre spielen.“

nach: Heinrich Böll „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“, abgewandelt



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